Kurt Demmler war ein hervorragender Texter und Liedermacher. Von ihm stammen so schöne Zeilen, wie diese: „autos schwarzrotgoldgeflaggt / fahrn nicht ihre fahrer nackt / bloßgestellt
als fußballheld / in geistig armer schmalhanswelt?“

Kurt Demmler erhielt 1985 den Nationalpreis der DDR. Dies allein macht ihn nicht zum großen Künstler und auch nicht zu einem guten Menschen. Sicher macht ihn dies, sein Wirken und seine Texte aber zum auserwählten Opfer, das in den Gazetten der Schmierenjournalisten und Volksverhetzer.

Ich kannte Kurt Demmler nicht persönlich und auch Freunde können sich menschlich als Arschlöcher entpuppen. Ein Urteil zur Anklage wegen Kindesmissbrauch wird es nicht geben. Es wird keinen rehabilitierenden Freispruch geben und keine den möglichen Opfern Gerechtigkeit gebende Verurteilung.

Fragen bleiben natürlich. Für die Springerpresse ist der Selbstmord ein Eingeständnis der Schuld. Wäre auch die öffentliche Vorverurteilung, die Angst vor der Demütigung oder einem Fehlurteil ein Grund, der in Erwägung gezogen werden könnte? Warum müssen Untersuchungshäftlinge nur in Filmen Gürtel und Schnürsenkel abgeben? Warum haben die Psychologen, die sich jetzt öffentlich überrascht äußern, seine Selbstmordabsichten nicht erkannt? Woher wusste die BILD-Zeitung schon vor Wochen von seinen Selbstmordabsichten? War es eine spontane Kurzschlussreaktion? Worauf?

Was für mich vor allem bleibt, ist das Werk von Kurt Demmler und die Hoffnung, das dieses unabhängig von den offenen Fragen zur Person bewertet wird.

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