Heute habe ich mir in unserem Kulturzentrum erneut “STAU – Jetzt geht’s los” von Thomas Heise angesehen. Ein Dokumentarfilm, der das Elend der Straßen und Wohnquartiere von Halle Anfang der 90er Jahre zeigt und unkomentiert rechte Jugendliche ihre Meinungen aussprechen lässt.
Was fängt man mit diesem Film an? Hat man sich vorher die Ohren zugehalten, weiß man erst jetzt, dass rechte Jugendliche nicht die hellsten Köpfe sind, Probleme haben und dieses Gemisch nicht nur in absurde Äußerungen, sondern auch in gewalttätige und strafbare Handlungen umsetzen.
Dies unkommentiert zu lassen, ist nicht wirklich erträglich. Die Jugendlichen als verführte Opfer darzustellen, ohne die Verführer zu nennen, ist eine gefährlich unvollständige Dokumentation. Die Opfer nicht zu nennen, ist eine verharmlosende Dokumentation. Täter als Opfer zu präsentieren, ist eine brutale Verdrehung der Realität.
Akzeptierende Sozialarbeit hat in dieser Republik staatlich finanzierte Jugendzentren geschaffen, in denen Nazi-Bands ihre Proberäume haben und Rechte ihren nächsten Überfall auf Ausländer, linke Jugendliche, Schwule und andere Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, planen. -Staatlich finanzierte No-Go-Areas in national befreiten Zonen.
Unserer Gesellschaft mangelt es nicht an Bühnen, auf denen die Intoleranz und Dummheit sich präsentieren kann.
Unsere Gesellschaft leidet am akzeptierenden Hinhören, dem unkommentierten Geschwätz und der fehlenden Courage zum Eingreifen.
Wer allerdings ein geschmissenes Studium in der DDR, einige in der DDR nicht aufgeführte Filme, das Label des Goethe-Instituts und eine Professur in Karlsruhe ehrfürchtig für ein unumstößliches Qualitätsmerkmal hält, der kann diesen Film von Thomas Heise nicht kritisieren. Das akzeptiere ich. Staatsnähe ist nicht in jedem Staat krtikwürdig. Auch für diese Kritik braucht man einen Standpunkt.
Bildquelle: oefilm.de
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