3 März 2010
Fähnchen aus der Hand
Winkelemente waren nie mein Ding. Abgesehen von der Albernheit, vom Straßenrand irgendwelchen Häuptlingen mit Fähnchen die Freude über ihr Dasein zu bekunden, hält die Freude mit den Papierfähnchen meist noch kürzer an als die Freude über die Häuptlinge.
Das Schwenken von Nationalflaggen und Vereinswimpeln halte ich für kleingeistig und gefährlich. Das Abschalten des Hirns zugunsten der Unterordnung unter ein Symbol hat mit aufgeklärter und emanzipatorischer Politik nichts zu tun. Das Schwenken der palästinensischen Fahne und demonstrative tragen von “Palitüchern” und PLO-Abzeichen ist eine Ausprägung dieser unkritischen Parteinahme. Die Verwendung und das öffentliche Schwenken der Staatsflagge Israels durch Mitglieder der “Plattform gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus, und regressiven Antikapitlismus innerhalb der Linksjugend Solid, BAK Shalom,” eine weitere.
Auf der ganzen Kugel gibt es zum Glück Menschen, die für Frieden und gegen Rassismus auf die Straße gehen. Nicht selten werden diese Menschen von der Justiz “ihres” Staates in Gefängnisse befördert. Diesen Menschen gehört meine Solidarität. Wenn dafür ein Symbol benötigt wird, weil man ohne Fähnchen nicht auskommt, dann wäre es vielleicht die weiße Friedenstaube auf blauem Grund oder der Regenbogen einer Pace-Fahne, aber niemals eine Nationalflagge.

