Hans-Joachim Frank zeigt gern seine Sympathie mit Filmen, die aus Nazis arme Würstchen machen, die eigentlich Opfer der DDR sind, weil ihre Eltern oder sie als Säuglinge dort nicht zu Demokraten erzogen wurden.
Da ich schon ahnte, was mich im Theater 89 erwartet, wenn an zwei Abenden zwei Theaterstücke* zu zwei Diktaturen über die Bühne gehen, habe ich mir die Theaterbesuche erspart. Meine Befürchtungen werden durch die Berichterstattung bestätigt:
Wie wenig der Regisseur Diktaturen in „schlechtere“ oder „bessere“ unterscheiden mag, zeigt schon die Abfolge beider Stücke. Das Szenenbild blieb passenderweise fast dasselbe. Dort, wo erst Hakenkreuzfahnen wehten, prangten nun Hammer, Zirkel und Ährenkranz. (Uwe Klemens in der MAZ)
Diktaturen zeichnen sich auch durch vereinfachende ideologische Standpunkte aus. Die Gleichsetzung von Rot und Braun, Links und Rechts hat zur Zeit wieder eine kleine Hochzeit, aber neu ist sie nicht. Ein demokratischer Disput und eine historisch genaue Analyse sehen anders aus.
Was kann man auf der Internetseite der Berliner Schauspielschule über den Regisseur Frank und sein Theater 89 lesen?
Dank Franks künstlerischem Profil wie seiner zähen Beharrlichkeit und Dank des Ausharrungsvermögens seiner getreuen Truppe hat die kleine Bühne die Wirren der Wende überstanden und mit ästhetisch auffallenden Leistungen im neuen Regime Anerkennung gefunden und sich finanzielle Hilfe erstritten.
Wir haben es hier also mit einem Fachmann für Diktaturen zu tun, der nach Jahren in staatlichen Schauspielschulen und Theaterbetrieben der DDR im Mai 1989 ein freies Theater gründete.
Erfreulich für Hans-Joachim Frank, dass die Zeit zwischen Staatstheaterbetrieb und staatlich finanziertem Theaterbetrieb so kurz war. Erfreulich auch, dass die einkommensschwache Gemeinde Niedergörsdorf eine Spielstätte mitfinanziert, die von ihren Einwohnern überwiegend nicht besucht wird. Besonders erfreulich, dass Hans-Joachim Frank trotz dieser Widrigkeiten immer “hart an der Realität” bleibt. Diese Härte zeigt Hans-Joachim Frank auch gern in Diskussionen, wenn seine Gäste eine andere Wahrnehmung der Realität haben. Unduldsam, politisch korrekt und staatlich subventioniert. War da ein Aufbruch in eine andere Zeit?
*Ödön von Horváth, JUGEND OHNE GOTT, Spielfassung von theater 89 und Ralf-Günter Krolkiewicz, HAFTHAUS, Spielfassung von theater 89 -Beide Aufführungen im Kulturzentrum DAS HAUS Altes Lager