habe ich den Beitrag von Petra Pau zur Programmdiskussion der LINKEN in der aktuellen DISPUT.
Petra Pau hat ein Buch über Rio Reiser gelesen. Das ist schön, aber kein Grund, an die Erfolge der zeitweiligen Managerin von TON STEINE SCHERBEN Claudia Roth anzuknüpfen. Das ge- oder missbrauchen von Rio Reiser für realpolitische Bewegungen war für ihn oft eine Belastung. Nun muss er sich nicht mehr wehren, wenn seine Lyrik in die einer Politikerin einfließt.
“Keine Macht für Niemand” war ein Super-Song von Rio Reiser. Damit sprach er die Seele von Anarchisten an. Zur Erinnerung: Auch sie gehören zur linken-Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Ja, Genossin Pau, hier sprichst Du ein Problem unseres Parteinamens an. Zur “linken-Geschichte” gehören auch Trotzkisten und Stalinisten. Die in der PDS gebetsmühlenartig wiederholte Abgrenzung zu letzteren vermisst Du ja im Programm.
DIE LINKE will alles Lebenswichtige dem Kapital entreißen und zum Beispiel Energie-, Gesundheits- oder Finanz-Monopole verstaatlichen. Das klingt logisch. Und zugleich warnt dasselbe Programm vor Regierungs-, also politischen Staatsbeteiligungen der Linken. Da schlägt die Logik Kabolz.
Wo ist hier der Widerspruch? Genau diese Forderungen könnten doch Kriterien für eine Regierungsbeteiligung sein. Im Programmentwurf ist übrigens von “demokratischen gesellschaftlichen Eigentumsformen” die Rede. Das ist etwas mehr als “Verstaatlichung” und hat etwas mit der von Petra Pau im Programm vermissten Zivilgesellschaft zu tun.
Neben Rio-Reiser-Zitaten gibt es von Petra Pau noch einen Film-Tipp:
In ausgewählten Kinos läuft derzeit der Film: »Die 4. Revolution«. Ich empfehle ihn. Er dokumentiert anhand praktischer Beispiele, wie binnen 30 bis 40 Jahren die gesamte Energie auf »Solar« umgestellt werden könnte, wenn man es denn wollte. Revolutionär ist dabei nicht nur der Umstieg von fossilen oder atomaren Energiequellen auf umweltfreundliche Alternativen. Geradezu umstürzlerisch ist die damit mögliche De-facto-Entmachtung der Monopole zugunsten von dezentralen Lösungen.
Da sind wir wieder bei Claudia. Mit umweltfreundlichen Alternativen verschandeln zur Zeit die monopolistischen Großkonzerne die Landschaft, in der ich lebe. Das wäre aber nicht wichtig, wenn ich verstehen würde, was Petra mir sagen will.
Warum ich die Genossin Petra nicht verstehe, erklärt sie selber:
Zum Verständnis des Fragezeichens muss ich ein wenig Parteiinterna ausplaudern. Noch im Februar gab es zwei Programmentwürfe. Sie schienen eigentlich unvereinbar. Fand ich. Sie wurden dennoch zusammengepresst. Um die Partei nicht zu überfordern und die Öffentlichkeit nicht zu verwirren, hörte ich.
Ich habe nur einen Programmentwurf gelesen. Diesen finde ich in dem Beitrag von Petra nicht wieder.
Statt mich weiter mit diesem Beitrag zu befassen, höre ich lieber Rio Reiser. Allerdings weder die Songs für sentimentale Revoluzzer-Partys, noch die für Schlager-Freunde, sondern die Lyrik des schwarzen Albums.